48. Weinsberger Obstbautag

Obst und Wein hatten durch die freundlichen Temperaturen im März einen Wachstumsvorsprung. Die Ernüchterung kam im April.
Andreas Hahn vom ESTEBURG Obstbauzentrum Jork: „Die wirksamste Methode zur Verhinderung von Blütenfrostschäden ist die Frostschutzberegnung.“

Bereits zum 48. Mal fand am Dienstag, 06. Februar 2018, der vom Regierungspräsidium Stuttgart und der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg gemeinsam veranstaltete Weinsberger Obstbautag in Weinsberg (Lkr. Heilbronn) statt. Rund 300 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Berufsstandes informierten sich in diesem Jahr über den Frostschutz und bekamen in diesem Zusammenhang einen Überblick über die Wetterdaten der letzten 100 Jahre. Weitere Themen waren die Wasserbereitstellung in Obstanlagen, der Maronenanbau in der Praxis und der Pflanzenschutz im Obstbau.

Dr. Kurt Mezger, Abteilungspräsident der Abteilung 3 am Regierungspräsidium Stuttgart, begrüßte das Fachpublikum und gab einen Überblick über das vergangene Obstjahr. Dieses war gekennzeichnet durch Spätfrost und Orkanböen und zeigte sich wärmer als die Norm. Gerade das Frostereignis im April 2017 prägte das restliche Obstjahr. Es entstanden Schäden in dreistelliger Millionenhöhe. 75 % der Ernte ging verloren. Es wird davon ausgegangen, dass die Apfelvorräte z.B. am Bodensee bereits im Frühjahr zur Neige gehen. Als kleines Trostpflaster kann die Preissteigerung für Kernobst gesehen werden, welche die Verluste aber nicht wettmacht.

Durch die Einstufung der Landesregierung des Frostereignisses als Naturkatastrophe konnte der Weg für die Frostbeihilfe für betroffene Betriebe frei gemacht werden.

100 Jahre Wetterdaten, 50 Jahre Phänologie – unser Kernobst im Klimatrend

Dr. Dietmar Rupp und Dr. Franz Rueß von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO) stellten Wetterdaten aus 100 Jahren Wetterbeobachtungen am Standort der LVWO vor. Sie gingen dabei auf den Kernobstanbau im Klimawandel ein.

Seit 1901 werden in Weinsberg Wetterdaten erfasst. Der Standort der Wettermessungen besteht seit 117 Jahren und eignet sich deshalb hervorragend, um den weltweit beobachteten Klimatrend vor Ort aufzuzeigen und Rückschlüsse für die Zukunft schließen zu können.

Während sich die jährlichen Niederschlagsmengen kaum verändert haben, zeigen sich bei den Temperaturen deutliche Verschiebungen. Der wärmere Vorfrühling und der heißere Sommer haben Auswirkungen auf das Wettergeschehen und die phänologischen Abläufe. So ergeben die phänologischen Erhebungen der LVWO gegenüber den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Blühverfrühung bei Apfel von rund drei Wochen. Bei verfrühtem Austrieb erhöht sich die Gefahr von Schäden bei Spätfrösten.

Wasserbereitstellung in Obstanlagen

Andreas Hahn vom ESTEBURG Obstbauzentrum Jork im Alten Land ist überzeugt, dass „Die wirksamste Methode zur Verhinderung von Blütenfrostschäden die Frostschutzberegnung ist. Das dafür notwendige Wasser kommt entweder aus Oberflächengewässern oder aus Brunnen. Um bei begrenzter Wasserverfügbarkeit sicher eine Frostschutzberegnung betreiben zu können, muss ein Vorratsspeicher angelegt werden.“ In seinem Vortrag stellte Hahn die Möglichkeiten der Wasserbereitstellung, die notwendigen Dimensionen sowie die Bauweisen der Speicherbecken vor. Ferner gab er Hinweise zur Wasserqualität, zur betriebswirtschaftlichen Kalkulation und zu relevanten baurechtlichen Fragen.

Seine praktischen Erfahrungen mit der Frostschutzberegnung im Jahr 2017 stellte Herr Thomas Häberle vom Obstbaubetrieb Talhof in Erligheim den Teilnehmern vor.

Auch er ist der Meinung, dass Frostschutzberegnung die wirkungsvollste Methode ist, um Frühjahrsfröste (oder Blütenfröste) im Kernobst zu verhindern.

Frostschutz im Obstbau – Grundlagen und Anwendungen

Dr. Martin Thalheimer, Spezialist für Bewässerung am Versuchszentrum Laimburg – Südtirol, zeigte Lösungen für Fragen wie „Welche technischen Ansprüche muss eine Bewässerungsanlage für den Frostschutz erfüllen?“ oder „Welche Mindestmengen an Wasser sind für eine erfolgreiche Frostschutzbewässerung erforderlich?“

Anhand von einigen Daten und Fakten zur geschichtlichen Entwicklung des Frostschutzes seit seinen Anfängen im Südtiroler Obstbau um das Jahr 1950 konnte Hr. Dr. Thalheimer z.B. feststellen, dass einige der letzten „Neuentwicklungen“ bereits schon vor Jahrzehnten zum Einsatz kamen.

Unter anderem präsentierte Thalheimer einige Ergebnisse zum Einsatz alternativer Frostschutzmaßnahmen im Frühjahr 2017, wie zum Beispiel die Bewindung, den Frostbuster und den Einsatz von Paraffinkerzen.

Maronen – Anbau und Sorten

Passend zur Benennung „Baum des Jahres 2018“, der Esskastanie, konnte Herr Johann Laimer aus Burgstall in Südtirol als Referent gewonnen werden. In seinem Vortrag gewährte Laimer den Teilnehmern einen guten Einblick in die Welt des Kastanienanbaus sowie der Sortenvielfalt. Seine Kastanienbaumschule Kösti wurde 2009 gegründet, mit dem Ziel für Südtirol zertifizierte und kontrollierte Kastanienbäume zu produzieren. Bis heute ist die Baumschule spezialisiert auf die Produktion von Kastanienbäumen.

Pflanzenschutz

Dr. Thomas Diehl vom Regierungspräsidium Stuttgart stellte neben einem allgemeinen Rückblick 2017 auch einen Ausblick auf das Jahr 2018 dar.

Er berichtete, dass es 2017 neben den geringen Erträgen im Obstbau weitere Herausforderungen im Pflanzenschutz gab. Aufgrund der niedrigen Ertragserwartung wurde der Aufwand reduziert. Es wurden weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt, weshalb es zu einer Verschleppung der Probleme nach 2018 kommen kann. Diehl zeigte auf, dass das Auftreten neuer Schädlinge zu einer Zunahme des geschützten Anbaues (Folie, Flies, Netz) führt. Dies bleibt jedoch nicht ohne Auswirkungen. Zunehmender Befall durch Schadmilben wird in solchen Anbausystemen beobachtet. Mit dem Einsatz von Nützlingen, kann dem entgegen gesteuert werden, was in einem Film über den Einsatz der Raubmilbe, eines wichtigen Gegenspielers der Spinnmilbe, verdeutlicht wurde.

Hintergrundinformation:

Der Weinsberger Obstbautag wird bereits seit dem Jahr 1971 für die Praktiker aus dem Erwerbsobstbau durchgeführt und findet dieses Jahr zum 48. Mal statt. Die Organisation und Durchführung liegt in den Händen des Regierungspräsidiums Stuttgart und der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO). Die LVWO ist eine Landesanstalt des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen.

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