Akribische Analysen und fundierte Beratung statt Hollywood-Glamour: 20 Jahre Operative Fallanalyse beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Stuttgart (ots) – Profiler ist ein Begriff, der vielen aus Film und Fernsehen geläufig sein wird, aber dennoch nicht die Tätigkeit der Fallanalytiker des Landeskriminalamts Baden-Württemberg wirklich trifft. Denn mit Hollywood hat ihre akribische Arbeit nichts zu tun. Am 1. August sind es 20 Jahre, seit in Baden-Württemberg als zweitem Bundesland so genannte Fallanalytiker ihre Arbeit aufgenommen haben.

216 Mal haben die Spezialisten der Operativen Fallanalyse (OFA) des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, so die offizielle Bezeichnung, in den vergangenen 20 Jahren die Polizeidienststellen des Landes mit Fallanalysen, Täterprofilen, Motivbewertungen und anderen Beratungen unterstützt. 29 Mal wurden sie außerdem in Ermittlungsverfahren anderer Bundesländer und weitere sieben Mal zur Beratung ausländischer Strafverfolgungsbehörden eingesetzt.

Als Service und Beratungsstelle des Landeskriminalamts Baden-Württemberg sind die OFA-Spezialisten immer dann gefragt, wenn es bei besonders komplexen oder herausragenden Kapitaldelikten wenige oder keine Ermittlungsansätze gibt und eine Täter-Opfer-Beziehung fehlt. Ursprünglich leistete die OFA nur bei Tötungs- und Sexualdelikten Unterstützung. Im Lauf der Zeit wurde dieses Spektrum auch auf Brandserien, Tierschändungen, Bankraubserien und außergewöhnliche Gewaltdelikte ausgedehnt.

Auch waren es in den Anfangsjahren regelmäßig so genannte Cold Cases oder fast vollständig durchermittelte Fälle, in denen die OFA zu Rate gezogen wurde. Orientiert an den Bedürfnissen der ermittelnden Sonderkommissionen wurden auch hier die Beratungsleistungen ausgebaut. Heute ist bei ungeklärten Kapitaldelikten die Hinzuziehung der OFA-Experten schon in einem frühen Ermittlungsstadium landesweit Standard.

Seit 2003 arbeiten die OFA-Teams in Deutschland nach bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards. Dabei bedienen sich die Fallanalytiker verschiedener Methoden, um einen Kriminalfall aus kriminalistischer und kriminologischer Sicht möglichst weitestgehend zu verstehen, um daraus Schlüsse sowie Arbeitshypothesen für die Aufklärung eines Verbrechens ableiten zu können. Die OFA-Spezialisten arbeiten immer im Team und ermitteln im Gegensatz zu den aus Film und Fernsehen bekannten Protagonisten auch nicht selbst bei den zugrunde liegende Straftaten. Für ihre Beratungen rekonstruieren sie aufgrund vorliegender Fakten unter anderem möglichst detailliert den Tathergang. Sie analysieren, bewerten und interpretieren hierbei das Täterverhalten in den einzelnen Phasen der Tat, um daraus möglichst Rückschlüsse auf das Tatmotiv ziehen zu können. Bei Bedarf können bei ihrer Fallanalyse auch räumlich-geographische Aspekte einfließen. Dies sind beispielsweise Einschätzungen dahin gehend, ob ein Täter im Nahbereich des Tatorts zu suchen ist oder ob es um eher einen überörtlich agierenden Täter handelt. Zu ihren Analysen und Bewertungen ziehen die Fallanalytiker anlassbezogen auch Einsatzpsychologen oder Experten des Kriminaltechnischen Instituts hinzu. Auf Grundlage der so erarbeiteten Analysen erarbeiten die OFA-Experten schließlich Ermittlungsempfehlungen für die sachbearbeitenden Sonderkommissionen.

Bei Ihrer Arbeit nutzen die Fallanalytiker die bundesweite ViCLAS-Datenbank (Violent Crime Linkage Analysis System), die im Jahr19989 eingerichtet wurde. Darin werden bestimmte ungeklärte und geklärte Tötungs- und Sexualdelikte gespeichert, um beispielsweise Tatzusammenhänge, ermittlungsdienliche Hinweise aus ähnlich gelagerten Fällen oder regionale Bezüge herzustellen. Aktuell sind darin über 26.000 entsprechende Sachverhalte erfasst. Seit 1998 überprüften die LKA-Fallanalytiker fast 10.000 Fälle, ob sie für eineSpeicherung in ViCLAS Betracht kommen. Von diesen überprüften Fällen wurden über 4.200 Fälle erfasst und können dort für Ermittlungszwecke recherchiert werden.

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